Rhode und Koch, ein ungleiches;

Rhode und das Bersteinzimmer, ein explosives Paar

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Alfred Rohde und Erich Koch sind ein ungleiches Paar.

Der eine – Rohde, ein  gebrechlicher, ängstlicher und feingeistiger Mensch ist Museumsdirektor im Königsberger Schloß, Herr der dortigen

Schätze und nahezu erotisch verliebt in seinen größten Schatz, das Bernsteinzimmer (seit 1941).  In seinem Buch über Bernstein schreibt er

1937: Bernstein ist immer eine Angelegenheit des Glaubens an die innere Kraft und Wärme gewesen, die von diesem seltsamen Material

ausgeht. Über Koch schreibt er (ebenda): Der ostpreußische Gauleiter und Oberpräsident Erich Koch war es, dank dessen Tatkraft seit 1933

das Staatliche Bernsteinwerk in Palmnicken wieder in vollem Umfang den edlen Rohstoff fördern konnte....(.....) den Bernstein als

urheimischen Werkstoff dem ganzen deutschen Volke beliebt und begehrt zu machen......

Der andere – Koch – wechselt nach drei Kriegsjahren 1918 gleich zu den Freikorps, war als „Mitglied Nr. 90“ ab 1922 bei der Hitler-Truppe

mit dabei, leitete Gaus zuerst im Westen, dann ab 1928 als Gauleiter Ostpreußen.

Erich Koch

Der gereizte und übel aus dem Mund riechender Koch ist der Dreh- und Angelpunkt aller Entscheidungen in und um Kaliningrad. Wäre da

nicht die NSDAP gewesen, hätte er vielleicht seine in der mittleren Laufbahn begonnene Karriere als Eisenbahner fortsetzen können – aber

wegen seiner politischen Tätigkeit wurde er dort schon in den 20er Jahren entlassen. Überzeugter Reichsbahner ist er nach Aussagen vieler

bis zum Schluss dennoch geblieben: „Die Bahn kommt durch!“ Koch hat kein Gefühl für Schönheit, ist empfindlich gegen Geräusche und hat

Angst vor Fliegern. Dieses Geräusch ist für ihn das Schlimmste. Das mag ein Grund für seine charakterlichen Schwächen sein, er schlägt um

sich und muss alles kontrollieren können. Die Sorge um die Sicherung des Bernsteinzimmers delegiert er; schafft es weg, ist mir doch egal wohin, 

Hauptsache sicher. Das was für Rhode

 eine Liebesangelegenheit ist, ist für Koch nur Verpflichtung.

Das Bernsteinzimmer, und zwar nicht das nachgebaute; interessant ist ja das verschollene Original!

von dem es nur einige unscharfe Schwarz-weiß Fotos gibt. Das Objekt der Begierde.

Als Anfang 1944 die Bombenangriffe auf das deutsche Reichsgebiet trotz der vollmundigen Erklärung von Reichsmarschall Göring, er wolle

Meier heißen, wenn je ein englischer Bomber die Reichgrenzen überflöge, immer häufiger werden, kommt es zum ersten Konflikt zwischen

Rohde und Koch. Der ängstliche, aber in solchen Dingen pedantische Rohde setzt sich durch und im Frühsommer 1944 wird das

Bernsteinzimmer, von dem er sich jeden Abend persönlich beim Schlussrundgang verabschiedet, in 12(?) große Kisten verpackt und im Keller

des Schlosses bombensicher eingelagert. Die Entscheidung bewährt sich im August 1944, als in zwei Nächten die Royal Air Force Königsberg

in einen Trümmerhaufen verwandeln und das Schloss bis auf die Grundmauern niederbrennt. Viele Schätze werden vernichtet, das

Bernsteinzimmer bleibt unversehrt.

 

Im Juni 1944 beginnt die Götterdämmerung des Deutschen Reiches. Im Westen landen die Alliierten; verheerender noch ist der Großangriff

der Roten Armee am 22. Juni 1944 – dem dritten Jahrestag der „Operation Barbarossa“ – in deren Gefolge die Ostfront in Stücke gehauen

wird. Die faschistischen Truppen fluten zurück bis an die ostpreußische Grenze. Am 13. Januar 1945 beginnt auch hier der letzte Akt. Nach

stundenlanger Artillerievorbereitung überschreitet die Rote Armee um 7 Uhr die Ost- und Südgrenze Ostpreußens, nur 8 Tage später verlässt

der letzte überfüllte Flüchtlingszug Königsberg Richtung Berlin. Diese Nachricht vor allem löst bei Rohde Panik aus. Was, wenn die großspurigen

öffentlichen Versprechen Kochs, Königsberg sei eine Festung und werde niemals fallen, nicht wahr werden? Was, wenn Königsberg fiele? Was ist dann mit dem

Bernsteinzimmer? Rohde wirft Koch vor, den richtigen Zeitpunkt für die Rettung des wertvollsten Schatzes aus Königsberg verpasst zu haben. Wörtlich ist es

natürlich nicht überliefert, aber Koch muss zu Rohde ungefähr gesagt haben: „Jetzt pack’ Dein Scheiß-Zimmer auf die Bahn und schaff’s weg – aber komm’

gefälligst wieder. Versprochen ist versprochen.“ Bereits am 23. Januar erreichen russische Panzerspitzen Elbing am Haff und unterbrechen damit

die Bahnlinie Königsberg-Berlin.

Der Transport des Bernsteinzimmers bleibt in Heiligenbeil, dem heutigen Mamonovo stecken. Koch schimpft: Wieso ist das immer noch da?

Was ist das für eine bodenlose Schlamperei?  Seine unrealistischen, in Eile dahergesagten Rettungsvorschläge verhallen ungehört. Das

Bernsteinzimmer darf auf keinen Fall in die Hände des Feindes gelangen.

Fast eine halbe Million Menschen fliehen über das zugefrorene Frische Haff um nach Westen zu entkommen. Zu allem Unglück  wurden für

die angeblich wichtige Munitionstransporte eine 10-30 m breite Fahrrinne zwischen Elbling und Königsberg in das Eis gebrochen. Zuerst

behalfen sich die Flüchtlinge mit Bohlen und Haken, später übernehmen die Wehrmachtspioniere den Brückenbau um die Fahrrinne zu

überwinden.

Flucht über das Haff (Quelle unbekannt)

Aber der Sturm, der so unmittelbar bevor zu stehen schien, kommt nicht. Die Rote Armee gruppiert ihre Stoßarmeen um. Von Ende Januar bis Ende Februar

herrschte Ruhe- trügerische Ruhe. Als es am 22. Februar zu schweren Angriffen auf die sogenannte neue Landbrücke westlich von Königsberg kommt, die

zunächst abgewiesen werden, ist auch Koch klar: Jetzt beginnt die letzte Schlacht um Königsberg. Am 28. Februar endlich beginnt die offizielle Evakuierung

der ostpreußischen Hauptstadt.

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